Was ist eigentlich Stress
Stress

Was ist eigentlich Stress?

Jeder kennt’s und jeder hat zuviel davon! Alle jammern, weil man zuviel Stress hat und es irgendwie keine Lösung für weniger Stress gibt. In diesem Artikel will ich dir keine Patentlösung bieten, um weniger Stress zu haben (Spoiler: es gibt auch keine), sondern einmal zeigen, was für eine sinnvolle Einrichtung Stress eigentlich ist.

Stress macht nicht immer krank

Bei der Bewertung von Stress kommt es auf die subjektive Wahrnehmung an. Ist jemand Feuer und Flamme für sein Projekt und arbeitet 10-12 Stunden am Tag, wird diese Person die Belastung anders empfinden, als wenn ein Arbeitsgeber Überstunden für ein Projekt ansetzt, das einem selbst keinen Spaß macht. Es ist demnach nicht immer so, dass Stress automatisch krank macht.

Stress ist eine Schutzfunktion unseres Körpers. Kommt unser Organismus in eine stressige Situation, die zum Beispiel gefährlich ist, dann reagiert der Körper mit einer Stressreaktion. Das erlaubt uns, schnell viel Energie freizusetzen, um aus dieser Situation zu entkommen. Das geht entweder durch Flucht oder Angriff. In beiden Fällen müssen wir besonders wach, reaktionsschnell und kräftig sein.

Alle Energie wird gebraucht, um

  • In den Muskeln zur Verfügung zu stehen
  • Gut sehen zu können
  • Schnelle Entscheidungen treffen zu können
  • die Atmung zu verstärken

Deshalb wird die Energie aus einigen Bereichen des Körpers abgezogen. Im Falle einer akuten Stressreaktion wird keine Energie benötigt für z.B.:

  • Verdauungsprozesse
  • das Lymphsystem

Soweit ist das alles völlig normal. Jetzt ist das ja aber so, dass wir ja durchaus krank werden von Stress. Was steckt also dahinter? Wie kann es denn sein, dass uns eine völlig sinnvolle Reaktion des Körpers krankmacht?

Da gibt es drei Möglichkeiten:

  • Die Stressreaktion dauert zu lange an
  • Die Stressreaktion wird zu oft ausgelöst
  • Oder auch beides zusammen

Wir müssen erkennen, wann die Grenze zu diesem „zu lange“ und „zu oft“ überschritten ist.

Gesunder vs. ungesunder Stress

Von gesundem Stress spreche ich, wenn ich die Art von Stress meine, die mich beflügelt. Ich bin in einer Phase der Herausforderung, im Flow. Ich habe zwar viel zu tun, aber die Arbeit macht mir Spaß! Ich bin positiv, die Zeit vergeht wie im Flug und es fällt mir leicht, danach wieder zu entspannen. In der Regel reicht mir eine kurze Regenerationszeit aus, um wieder leistungsbereit zu sein. Der Stressor löst die Stressreaktion aus, sie ist aber nie zu lang oder zu oft und der Körper levelt sich wieder ohne Probleme auf das normale Aktivitätsniveau ein.

Auf der anderen Seite gibt es dann den ungesunden Stress. Ich habe eine grundsätzlich negative Einstimmung in Bezug der zu verrichtenden Tätigkeit, sie nimmt übermäßig viel Zeit in Anspruch, ich habe kein Flow-Gefühl, eher das Gegenteil: Die Arbeit scheint mich zu erdrücken, die Zeit sitzt im Nacken, ich bin müde und halte mich mit Zucker und Koffein wach, ich folge dem Erwartungsdruck. Auch in diesem Fall wird die Stressreaktion immer wieder ausgelöst, aber die Grenze von „zu oft“ und „zu lange“ ist überschritten.

Stress ist heimtückisch

Ich habe ja auch die ein oder andere negative Erfahrung mit Stress machen dürfen und kann euch sagen: man merkt es halt erst mal nicht! Ich habe gearbeitet und gearbeitet, Unterricht vorbereitet, immer alles mit guter Laune und einem noch besseren Plan. Ging es mir schlechter, habe ich mir einen besseren Plan gemacht. Mir fehlt Energie? Mehr Kaffee. Ich habe bis zu 2 Liter Kaffee am Tag getrunken, damit ich irgendwie wach bleibe. Ich habe mir immer wieder gesagt: „Ich halte durch! Bis zu den Osterferien sind es nur noch 4 Wochen!“ „Für heute habe ich es wieder geschafft!“ Und das Schlimme: Ich habe mich tatsächlich gut gefühlt, weil ich es mal wieder geschafft hatte. Was für ein Trugschluss!

Mein Körper hat mir schließlich die rote Karte gezeigt und mir sehr deutlich gemacht, dass das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Mein Gehirn spielte verrückt, mein Körper war nicht mehr in der Lage zu regenerieren und ich stellte mir oft die Frage, was ich denn hier eigentlich mache.

Ich habe nichts gemerkt und alle Anzeichen meines Körpers ignoriert.

Was läuft da eigentlich falsch?

Jeder stöhnt, wie anstrengend alles ist, es ist völlig normal, sich über den übervollen Alltag aufzuregen. Vielleicht geht es dir auch so! Oder wie oft hörst du von anderen, wie herrlich schön das Arbeitsleben ist, oder berichtest selbst positiv über deinen Alltag?  Es ist jedenfalls nicht normal, dass wir an Schlafstörungen, Arbeitsüberlastung und dem Nicht-Mehr-Abschalten-Können leiden. Ich glaube, dass bei den meisten das gesunde Maß an aushaltbarem Stress längst überschritten ist. Ich habe angefangen umzudenken und möchte dich gerne mit ins Boot holen, dich anregen, über deinen persönlichen Stress nachzudenken. Wie sieht es bei dir aus? Zu viel Stress? Oder gar zu wenig?

Wenn du der Meinung bist, dass du zu viel Stress hast, dann kannst mal einen Blick in die Liste werfen und schauen, ob und was auf dich zutrifft. Wenn du magst, dann schreibe mir doch in die Kommentare, ob du dich wieder entdeckt hast!

Welche Anzeichen gibt es für krankmachenden Dauerstress?

  • Das Abschalten am Wochenende oder im Urlaub fällt unglaublich schwer oder fehlt ganz
  • Eine endlos lange to-do-Liste unerledigter Aufgaben
  • Häufige Konfllike
  • Alltagsunfälle treten häufiger auf
  • Du schläfst genug, bist aber trotzdem müde
  • Du bist gereizt, nervös, Hektik dominiert, du empfindest Angst
  • Du hast den Wunsch, dich zurückzuziehen, dich abzuschotten
  • Schlaf-, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen treten auf
  • Gewichtszu- oder abnahme
  • Weitere körperliche Anzeichen wie Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Magenschmerzen, Blähungen, Durchfälle, Kopfschmerzen, Zittern, Schwitzen
  • Erhöhter Blutdruck (> 140/90 Hgmm)
  • Du trinkst abends Alkohol zur Entspannung
  • Du nimmst Tabletten zum Einschlafen

Ich hoffe ich konnte dich ein wenig für das Thema Stress sensibilisieren, dir ein paar Gedankenanregungen mit auf den Weg geben. Ich freue mich über jeden, der darüber nachdenkt, woher vielleicht seine Schlafstörungen oder die unsäglichen Rückenschmerzen kommen.

Bleib gesund!

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