Woher weiß ich, dass es Burnout ist
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Woher weiß ich, dass es Burnout ist?

Ich erzähle mal ein bisschen aus meiner Vergangenheit. Ich hatte ein Burnout vor ungefähr 10 Jahren und einen Fast-Burnout letztes Jahr. Das Fast auch nur, weil ich die Erfahrung vor 10 Jahren gemacht habe und sie mich sozusagen „beschützt“ hat. Ich bin also davon ausgegangen, dass ich genau in diese Elend wie vor 10 Jahren wieder hineinschlittere und es vielleicht nicht mehr aufhalten kann.

Denn das ist eines der tückischen Dinge beim Burnout, man befindet sich in einer solchen Spirale und irgendwann kommt der Punkt, an dem man der Entwicklung ausgeliefert ist. Du hast vielleicht schon länger Rückenschmerzen, oder öfters mal Kopfschmerzen oder Verdauungsprobleme. Kommst du da auf die Idee, dass es auch mit Burnout in Zusammenhang stehen könnte?

Und das ist eigentlich auch schon der Punkt: Der Körper zeigt einem nicht DIESES EINE Symptom und man weiß direkt was Sache ist. Burnout ist vielschichtig und höchst individuell, das macht es so schwierig zu fassen.

Ich versuche heute mal, ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen und erläutere, waum dieses Krankheitsbild so wenig greifbar ist.

Es gibt keine klare Definition, was Burnout ist.

Burnout ist keine Krankheit mit einem eindeutigen Krankheitsbild. Es gibt nicht DIE Symptome, die erfüllt sein müssen, damit es das Kriterium Burnout erfüllt. Außerdem ist Burnout keine nach dem ICD-10 klassifizierte Krankheit. Das macht schwierig, eine Behandlung anzusetzen. Ein Arzt kann dadurch nicht die Diagnose Burnout stellen und ein darauf aufbauendes Behandlungskonzept entwickeln. Es werden in der Regel andere Diagnose-Codes aufgeschrieben, um so wenigstens Behandlungen zu ermöglichen, die von der Krankenkasse getragen werden. (Deshalb sind die Krankheitszahlen zu Burnout auch so schwammig, weil es keine offizielle Diagnose gibt und dementsprechend auch keine genauen Zahlen, aber das nur am Rande).

Um so weit zu kommen, muss ein Arzt aber erst einmal die Symptome alle genau kennen und alles zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Und ich denke, dass hier zum Beispiel schon eine große Stolperfalle liegt.

Es gibt kein Krankheitsbild, keinen ICD-10 Code, nach dem Burnout als Krankheit klassifiziert werden kann

Mal angenommen du hast Verdauungsprobleme, ab und an quält dich eine Migräne, bist erschöpft und hast Probleme dich zu regenerieren. Außerdem fühlst dich sehr gereizt. Dich belastet es zwar, aber es geht schon noch. Dann gehst du zum Arzt/zur Ärztin und lässt deine Verdauungsprobleme abklären. Weil dir die anderen Beschwerden aber als nicht so schlimm erscheinen, erzählst du nichts davon. Dein Arzt/deine Ärztin behandelt also deine Verdauungsbeschwerden. Ein paar Wochen später taucht ein neues Problem auf. Tinnitus vielleicht. Und du gehst wegen Tinnitus zum Arzt/zur Ärztin. Verstehst du? Immer wird diese eine Krankheit behandelt. Möglicherwiese sind dies aber auch Symptome eines anderes Krankheitsbildes – Burnout. Erst durch die Summe aller Beschwerden ergibt sich ein Gesamtbild.

Burnout ist ein Symptomkomplex, der sich bei Betroffenen unterschiedlich ausprägt

Burnout ist ein solches Krankheitsbild, das sich aus vielen verschiedenen Symptomen zusammensetzt. Das schwierige bei der Diagnose ist eben, dass die Anzeichen individuell unterschiedlich ausgeprägt sind. Hinzu kommen auch Kriterien, die sich nicht so einfach bewerten lassen, wie Stressempfinden und Lebenssituation. Hier kannst du mehr dazu lesen. Genau dieser individuelle Symptomkomplex macht es schwierig, eine Diagnose zu stellen. Aus dem gleichen Grund ist es auch schwierig, ein Behandlungskonzept zu erstellen. Es gibt (leider) nicht die eine Lösung.

Parallelen zu Symptomen zur Depression

Die Ähnlichkeit zum Krankheitsbild der Depression macht es außerdem schwierig, eine Diagnose zu stellen. Aber es gibt Möglichkeiten, das voneinander abzugrenzen. Am besten bespricht man das mit einem Arzt/einer Ärztin, einem Psychotherapeuten/einer Psychotherapeutin und/oder einem Psychologen/einer Psychologin. Anhaltende Niedergeschlagenheit muss keine Depression sein und genauso muss eine anhaltende Erschöpfung nicht gleich ein Burnout sein.  Das, was ich hier vermitteln kann, ist ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass es Parallelen, aber auch Unterschiede gibt und ich im Bedarfsfall einfach eine Person aus den genannten Fachkreisen zu konsultieren.

Wenn du Beschwerden hast, die zwar dominieren, aber dir auch andere Wehwehchen auffallen, dann scheue dich nicht, alles anzusprechen.

Wie ist mein Burnout vor 10 Jahren ausgegangen? Tja, übel. Ich konnte 2 Tage lang nicht aufstehen, mein Körper hat sich komplett verweigert. Rien ne vas plus. Das schlimmste war diese Ohnmacht: Ich konnte denken, dass ich gehe, aber ich konnte nicht gehen. Es ging einfach nicht. Das war eine sehr schlimme Erfahrung für mich, weil ich ja auch nicht wusste, was das ist und vor allem, wie lange das anhält. Ich war gefangen und war mir selbst ausgeliefert. Denn mein Geist funktionierte noch. Ich hatte Glück, dass es nur 2 Tage andauerte und ich irgendwie wusste, wie ich da wieder rauskomme. Instinktiv habe ich damals richtig gehandelt und mich da rausgekämpft. Diese Erfahrung hat mich geprägt, denn ich möchte das nie nie wieder erleben.

Und ich möchte auch nicht, dass jemand anderes so eine Erfahrung machen sollte, und deshalb schreibe ich hier, um aufzuklären und zu informieren. Denn ich habe festgestellt, dass es an Bewusstsein für diese Krankheit fehlt, bzw. es manchmal schon zum „guten Ton“ gehört, dass man an Burnout leidet. Denn dann kann man sagen, dass man unglaublich viel geleistet hat und das alleine zählt. (Nicht immer, ich weiß) Wir stecken alle so in dieser Leistungsgesellschaft fest, dass wir es vielleicht gar nicht mitbekommen, wenn wir in der Burnout-Spirale feststecken.

Und wie weiß ich jetzt, was ich habe?

Nun, eigentlich kennst du die Antwort doch: Frage nicht das Internet, sondern deinen Arzt/ deine Ärztin deines Vertrauens! Die können dir mit medizinischen Rat am besten weiter helfen.

In diesem Sinne: Bleib gesund!


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