Heutzutage scheint es, als ob Stress allgegenwärtig wäre. Viele von uns fühlen sich gestresst und überfordert, sei es in der Arbeit, im Privatleben oder in sozialen Interaktionen. Doch was ist der wahre Grund für diesen alltäglichen Stress? Die Antwort mag überraschend klingen: Stress machen nicht die anderen. Tatsächlich entsteht Stress in unserem eigenen Kopf, durch einen komplexen Bewertungsprozess, den wir oft unbewusst durchlaufen. In diesem Artikel wollen wir uns näher mit dem Thema Stress auseinandersetzen und beleuchten, wie wir durch eine andere Wahrnehmung von Stress eine positive Veränderung in unserem Leben bewirken können.

Stress entsteht durch einen Bewertungsprozess

Stress entsteht nicht direkt durch externe Ereignisse, sondern durch unsere individuelle Bewertung und Interpretation dieser Ereignisse. Was für den einen eine stressige Situation ist, mag für einen anderen kaum der Rede wert sein. Unser Verstand bewertet Situationen anhand unserer Erfahrungen, Erwartungen und Glaubenssätze. Wenn wir beispielsweise eine Präsentation vor vielen Menschen halten sollen und diese Situation als bedrohlich und herausfordernd bewerten, aktivieren wir den Stressmechanismus. Hingegen kann jemand, der die gleiche Situation als aufregende Chance wahrnimmt, weniger oder sogar gar keinen Stress empfinden. Die entscheidende Frage ist also: Wie können wir unseren Bewertungsprozess beeinflussen, um stressige Situationen anders zu bewerten?

Das Stressmodell nach Lazarus

Der Psychologe Richard Lazarus entwickelte das Stressmodell, das besagt, dass Stress eine Wechselwirkung zwischen uns und unserer Umwelt ist. Es beruht auf zwei Hauptfaktoren: der primären und der sekundären Bewertung. In der primären Bewertung schätzen wir ab, ob eine Situation für uns relevant und bedeutsam ist. Ist dies der Fall, folgt die sekundäre Bewertung, bei der wir unsere Ressourcen einschätzen, um mit der Situation umzugehen. Wenn wir die Ressourcen als ausreichend einschätzen, erleben wir keinen oder sogar positiven Stress, den sogenannten Eustress. Hingegen löst die Einschätzung unzureichender Ressourcen negativen Stress, den Distress, aus. Indem wir unsere Bewertungsmuster bewusst reflektieren und gegebenenfalls verändern, können wir Stress anders begegnen.

Gehirnareale, die bei Stress mitwirken

Verschiedene Gehirnregionen spielen eine Rolle bei der Stressreaktion. Die Amygdala ist für die emotionale Verarbeitung zuständig und reagiert besonders sensibel auf Bedrohungen. Der präfrontale Cortex hingegen ist für die rationale Entscheidungsfindung verantwortlich und kann die Amygdala modulieren. Bei Stress wird die Verbindung zwischen diesen beiden Regionen gestört, was zu impulsiven und emotionalen Reaktionen führen kann. Das Wissen um diese Zusammenhänge eröffnet uns die Möglichkeit, unsere Reaktionen bewusster zu steuern und Stress besser zu bewältigen.

Wie kannst du dieses Wissen konkret nutzen?

Jetzt, da du weißt, dass Stress nicht von außen auf uns einwirkt, sondern von unserer Bewertung abhängt, und dass bestimmte Gehirnregionen bei der Stressreaktion eine Rolle spielen, stellt sich die Frage, wie du dieses Wissen konkret nutzen könntest. Hier sind drei Punkte, die dir helfen können, Stress anders wahrzunehmen:

  • Achtsamkeitstraining: Achtsamkeit kann uns helfen, uns bewusst zu werden, wie wir Situationen bewerten und wie diese Bewertungen unsere Reaktionen beeinflussen. Durch Achtsamkeitsübungen können wir lernen, den Moment anzunehmen, ohne ihn sofort zu bewerten oder zu verurteilen.

  • Kognitive Umstrukturierung: Indem wir unsere negativen Denkmuster hinterfragen und durch positive und realistische Gedanken ersetzen, können wir unsere Stressreaktionen verändern. Es geht darum, alternative Perspektiven einzunehmen und eine stressfreiere Sichtweise zu entwickeln.

  • Stressbewältigungstechniken: Es gibt verschiedene Techniken zur Stressbewältigung, wie z.B. Entspannungsübungen, körperliche Aktivität, soziale Unterstützung oder Zeitmanagement. Indem wir diese Techniken in unseren Alltag integrieren, können wir besser mit Stress umgehen und uns resilienter gegenüber Stressoren machen.

Fazit

Stress ist selbstgemacht – diese Erkenntnis mag zunächst herausfordernd erscheinen, aber sie gibt uns auch die Möglichkeit, aktiv etwas dagegen zu tun. Unser Bewertungsprozess und unsere Denkmuster spielen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Stress. Indem wir uns dieses Zusammenhangs bewusst werden und gezielt unsere Wahrnehmung von Stress verändern, können wir einen positiven Einfluss auf unsere Stressbewältigung und unser Wohlbefinden nehmen. Achtsamkeit, kognitive Umstrukturierung und Stressbewältigungstechniken sind wertvolle Werkzeuge, um Stress anders wahrzunehmen und ihm gelassener zu begegnen. In diesem Sinne, lass uns gemeinsam den Weg zu einem stressfreieren Leben einschlagen!

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